Biotop Lehmgrube

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Geschichte:
Vor 1900 wurde innerhalb des Ortes Lehm für die örtliche Ziegelau abgebaut.
Anfang 1900 wurde der Lehmabbau in das heutige Gebiet Egelsee durch Ankauf verlegt.
Hier entstand nun ein idealer Platz zum allerlei Unfug treiben für Jugendliche.
Und eben diese Jugendliche waren es auch, die Anfang 1980 auf die Lehmgrube aufmerksam machten.
Durch den Abbau entstanden kleinere Tümpel, in denen sich mit der Zeit Frösche und Molche ansiedelten. Libellen, Käfer, Wasserläufer und viele andere Kleinlebewesen stellten sich ein. Auch Fische wurden nun vorgefunden, die durch Wildenten eingebracht wurden.
Richard Batzil, ein Neuhausener Bürger und Vorsitzender des B.U.N.D. Östliche Filder, war es, der 1984 den ökologischen Wert der Lehmgrube erkannte und die sofortige Einstellung der Verfüllung beim Landratsamt Esslingen beantragte; dem wurde nach kurzer Zeit stattgegeben. So blieb die heutige Form der Lehmgrube erhalten. Richard Batzil trat nun an den Schwäbischen Albverein heran und bat um Mithilfe.
Nun wurde beim Albverein nach einem geeigneten Mann gesucht, der diese Aufgabe mit übernehmen sollte. Oswald Durst wurde zum Naturschutzwart bestellt und mit der Zusammenarbeit mit dem BUND betraut. Nun wurde ein Pflegevertrag mit dem Landratsamt Esslingen, der Gemeinde Neuhausen dem BUND und dem Schwäbischen Albverein erstellt. Federführend war Richard Batzil. Ich dufte am Anfang nur mitarbeiten, bis Herr Batzil mein Wissen und meine Kenntnisse in Sachen Naturschutz erkannte; fortan war ich gleichberechtigter Mitarbeiter.
Unsere Arbeit begann mit dem Aufräumen von Abfall und Müll. Der höher gelegene Teil der Lehmgrube mußte vollständig abgemäht werden, um dem Unkraut Einhalt zu gebieten; das Mähgut wurde von der Gemeinde abgefahren. Als nächstes mußten nicht-standortgerechte Gehölze entfernt werden, vor allem Essigbäume; eine Arbeit die sich jahrelang wiederholte.
Durch den plötzlichen Tod von Richard Batzil lies das Interesse des BUND an einer weiteren Mitarbeit schnell nach. Die ganze Arbeit ruhte nun auf den Schultern des Schwäbischen Albvereins, was einen neuen Pflegevertrag notwendig und den Albverein zum allein zuständigen Betreuer der Lehmgrube machte. Unsere Pflegegruppe mußte nun größer werden, um die ganze Arbeit zu bewältigen.
In der Zwischenzeit wurde die Lehmgrube von einem Studenten der Fachhochschule Nürtingen kartiert, sowie Bestandsaufnahmen von Flora und Fauna erstellt; dieses war gleichzeitig seine Diplomarbeit.
1990 mußten dann alle Tümpel leergepumt und entschlammt werden. Diese Arbeit übernahm eine Firma aus Lenningen. 250 qm Schlamm wurden zur Erddeponie abgefahren. Diese Maßnahme konnte nur im Oktober durchgeführt werden.
Nun war die Voraussetzung eines intakten Biotops gegeben. Alle Frösche und Molche wurden bei dieser Maßnahme eingesammelt und später wieder in die Tümpel eingebracht. Die Feuchtwiese sah in dieser Zeit einem Acker gleich, hatte sich aber erstaunlicherweise innerhalb eines Jahres wieder gut erholt.
Alle Pflegemaßnahmen dürfen nur innerhalb der Winterzeit durchgeführt werden. Nun wurde der Nordhang des Biotops in Angriff genommen; auch hier mußten nicht-standortgerechte Gehölze entfernt und die Brombeerhecke zurückgeschnitten werden. Diese Arbeit war eine regelrechte Schinderei.
Nur mit der Entwicklung der Feuchtwiese war ich nicht ganz zufrieden. Irgend etwas machten wir nicht richtig bis wir auf die Idee kamen, die Feuchtwiese im jährlichen Wechsel zu mähen. Bei der weiteren Entwicklung erkannten wir, daß diese Maßnahme richtig war. Die Flora zeigte nun ihre ganze Pracht. Hahnenfuß, Lichtnelke, verschiedene Moosarten, Schwertlilie und das seltene Knabenkraut – eine vom Aussterben bedrohte Orchideenart – blühen seither in der Lehmgrube.
Auch stellte ich fest, daß sich die Lehmgrube bei richtiger Pflege zu einem kleinen Hochmoor entwickeln wird. Unsere bisherige Arbeit zeigt nun den gewünschten Erfolg und darauf dürfen alle Mitarbeiter in der Naturschutzgruppe ein bißchen stolz sein.
Doch es gibt kein Ausruhen auf dem erzielten. Alle Pflegemaßnahmen wiederholen sich im ein- oder zweijährlichem Rhythmus. Wenn sich in den nächsten Jahren naturverbundene Mitarbeiter finden und die bisherigen Mitarbeiter weiterhin dem Naturschutz treu bleiben, so war (und ist) unsere bisherige Arbeit nicht umsonst!